Ein Blick hinter die Kulissen

„Mit normalen Typen kann man keine Show machen, dafür muss man brennen.“ (Resi Dangel)

Die Schutterwälder Pferdenacht gehört zum festen Bestandteil des Rahmenprogramms der Baden-Württembergischen Landesmeisterschaf-ten Springen, Dressur, Pony. Sie ist weit über die Grenzen der Ortenau bekannt. Samstagabend pilgern im Juli Jahr für Jahr kleine und große Besucher an den Springplatz und warten gespannt auf das Programm. Immer wieder erfreuen neue Schaubilder rund um Pferdestärken auf und über dem Springplatz die Zuschauer.

Die Vorbereitungen für eine Show, wie die Schutterwälder Pferdenacht, beginnen schon Monate vorher. In Schutterwald ist für die Organisation Alexandra Kühne seit vielen Jahren zuständig. Und sie hat Schützenhilfe auf der Suche nach passenden Schaubildern. Immer wieder fällt dabei ein Name „Resi“.  

Resi Dangel kommt aus Laupheim und erzählt mit leuchtenden Augen, dass die Pferde in einer Show sehr gut ausgebildet und eigentlich „verpackte Sportpferde“ seien. „Wir stellen als Kontrast zum Sport ein Programm für Familien zusammen, möchten das Publikum mitreißen“, fügt sie hinzu. Am besten sei es ein buntes Bild zu zeigen, die Vielfalt rund ums Pferd. So gehören zu Pferde-Show-Abende mittlerweile auch Hunde, Schafe, Gänse und wie dieses Jahr zum ersten Mal in Schutterwald auch Adler zum Repertoire.

Künstler sind besondere Menschen, das ist in der Pferdeszene nicht anders. Auf der Suche nach neuen Talenten ist Resi Dangel viel unterwegs. Live und vielleicht noch mit Fotos kann sie am besten entscheiden, ob das Feeling passt, der Funke überspringt. Kurze Videos können in beide Richtungen täuschen. In der Szene kennen sich die Organisatoren untereinander, helfen sich gegenseitig. In Frankreich und Italien ist die Pferdeshowszene vielfältiger und viel stärker ausgeprägt. Viele Artisten leben von ihren Shows, sprühen vor Lust am Leben. Es sei wichtig, ein ehrlicher, seriöser Partner zu sein. Mit ihrem Engagement kämpft sie auch gegen schlechte Erfahrungen der Artisten. Nach dem Buchen der Artisten hört die Arbeit von Resi Dangel nicht auf. Auch in Schutterwald kümmert sie sich um ihre Schützlinge, hilft bei Vorbereitungen, versucht Schwierigkeiten aus dem Weg zu räumen und die Aufregung im Griff zu bekommen. Schon am Vorabend steht sie mit auf dem Springplatz, immer dezent im Hintergrund und doch aufmerksam. Passt auch alles?

Wer schon einmal auf der Bühne stand, weiß, jeder Abend und jedes Publikum ist anders. Unglücke und Sorgen in der Welt sind deutlich zu merken, aber auch die Temperamentsunterschiede in den verschiedenen Landstrichen. „Mit einem Auge bin ich immer beim Publikum, schaue, ob der Funke überspringt“, erzählt die leidenschaftliche Organisatorin. Sie kennt den Nervenkitzel und auch die Freude aller Akteure, wenn man nach einer gelungenen Show glücklich feiert. Wenn etwas nicht klappt, gibt es Kritik. Aber erst nach der Show, dass sei wichtig für die Zukunft.

In den letzten Jahren ist das Geschäft härter geworden. Die Kosten für Lebensunterhalt und Fahrten sind für die Artisten gestiegen, gleichzeitig gibt es weniger Sponsoren, was das Budget der Veranstalter schmälert. Ein Balanceakt, dem sich Resi Dangel immer wieder aufs Neue stellt.

Auf die Frage nach einer Lieblingsshow schüttelt sie den Kopf und antwortet: „Die Frage ist schon falsch. Jedes Event, jeder Platz ist anders. Es klappt nur, wenn man sich immer wieder neu öffnet, sich auf die Menschen einstellt. Es gehört einfach Herzblut dazu.“

Schon ist die gemeinsame Zeit auf ein Käffchen zu Ende. Resi Dangel erzählt noch begeistert von den Schaubildern der diesjährigen Schutterwälder Pferdenacht, dann läuft sie zu den Stallzelten. Die französische Senkrechtstarterin Anne-Gaelle Bertho ist schon da. Selbst im Fokus zu stehen, ist für die quirlige Frau ungewohnt, lieber wirbelt sie für ihre Akteure und dem Publikum am jeweiligen Tag im Hintergrund.